Sorgt der Hype um ETF’s und Indexfonds für ineffizientere Märkte?

Die Aufgabe eines guten Beraters ist es, für seine Kunden die Wahrscheinlichkeit zu maximieren, dass sie ihre Ziele erreichen.

Aus den Erkenntnissen, die die Wissenschaft uns bietet und einer mathematischen Notwendigkeit ergibt sich die Konsequenz, dass für die meisten, langfristig orientierten Anleger marktbreit gestreute, passive und kostengünstige Anlagen die beste Wahl sind.

Vor Kosten ist der Aktienmarkt ein Nullsummenspiel. Nach Kosten schneiden kluge Anleger mit einer passiven, marktbreiten Strategie besser ab, als der Großteil der Investoren.

Da sich diese Wahrheit immer mehr rumspricht, verzeichnen ETF’s und Indexfonds große Mittelzuflüsse.

Daraus ergibt sich in letzter Zeit häufig die Frage : „Wenn die Mehrheit der Anleger passive Fonds nutzen würde, würde dies nicht die Fähigkeit der Märkte beeinträchtigen, Vermögenswerte effektiv zu bewerten?“.  Diese Frage mag eine gewisse Berechtigung haben, aber was passiert derzeit auf den Märkten? Fließen die Gelder wirklich in dem Maße in passive Fonds, dass dies zu weniger effizienten Märkten führen könnte?

Die Gründe für den Einsatz passiver Fonds haben sich nicht geändert.  Wir sprechen oft über die Schwierigkeiten, die mit der Wahl eines aktiven – oder „urteilsfähigen“ – Fondsmanagers einhergehen, der behauptet, marktübertreffende Renditen zu liefern.  Woher weiß man im Voraus, wer die besten Manager sind, und woher weiß man, ob sie weiterhin eine „Outperformance“ erzielen werden?  Viele Studien belegen, ein Blick in die Bestenlisten führt nicht zum Erfolg. Anleger, die ihr Kapital aktiven Managern anvertrauen, riskieren einen unnötigen Vermögenstransfer in Form von hohen Kosten. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit größer, nach Kosten längerfristig niedrigere Renditen als die der Benchmark zu erzielen.

In der jüngsten Vergangenheit haben viele Anleger ihr Vermögen von aktiven Fonds in typischerweise kostengünstigere Indexfonds transferiert. Aktuellen Daten von Calastone, die die Nettomittelzuflüsse und -abflüsse für aktive und Indexfonds zeigen, kann man entnehmen, dass Indexfonds seit Ende 2018 starke Nettomittelzuflüsse verzeichneten.

Dies ist eine gute Nachricht sowohl für Investoren als auch für die Branche insgesamt.  Durch den Einsatz von kostengünstigeren Lösungen sollten Anleger von einem geringeren Kostenwiderstand profitieren und somit Renditen erzielen, die näher an denen des Marktes liegen.  Dieser Schritt gibt auch der aktiven Managementbranche die Möglichkeit und den Anreiz, sich darauf zu konzentrieren, dem Endanleger einen besseren Wert zu niedrigeren Kosten zu liefern.  Allerdings wird nur die Zeit zeigen, inwieweit dies Realität wird.  Es ist auffällig, dass nach vielen Jahren des Kostenanstiegs nun eine Reihe von Faktoren zusammenkommen, die die typischen Anlagekosten auf ein Niveau senken, das deutlich unter dem zu Beginn meiner Karriere lag, selbst für aktiv verwaltete Fonds

Einige Kritiker argumentieren, dass diese Ströme ein Risiko für die Preisfindung darstellen (d.h. für die korrekte Bewertung von Aktien).  Dies führt zu der bereits erwähnten Frage, ob der verstärkte Einsatz von passivem Investieren möglicherweise zu weniger effizienten Märkten führt. Es ist eine Binsenweisheit, dass die Marktpreise von ihren tatsächlichen Werten abweichen würden, wenn die Anleger auf unbestimmte Zeit von aktiven zu passiven Anlagen wechseln würden, da jeder zum Preisnehmer und nicht zum Preismacher würde.  Die Realität ist jedoch, dass die Preisfindung eine Funktion des Handelsvolumens aktiver Investoren ist (d. h. wie viel jeden Tag gekauft und verkauft wird) und nicht ihres kombinierten Wertes. Tatsächlich sind wir weit davon entfernt, dass dieses Phänomen zu einem Problem wird.

Außerdem werden sich in einer Situation, in der die Marktpreise nicht korrekt sind, Möglichkeiten für aktive Manager und andere Investoren ergeben, diese Ineffizienzen zu nutzen und die Märkte zu übertreffen. Sobald dies beobachtet würde, würde das Geld zu diesen aktiven Managern zurückfließen, bis die Preise wieder fair sind.

Die Investoren scheinen zwar vermehrt auf „passive“ Anlagen zurückzugreifen, aber es ist unwahrscheinlich, dass dies dazu führt, dass die Märkte bei der Preisbildung für Vermögenswerte ineffizient werden.  Es könnte auch sein, dass in Zukunft wieder mehr Geld in einen „aktiveren“ Stil der Anlageverwaltung fließt, wenn sich Meinungen, Trends und vielleicht auch Beweise ändern.

Für meine Kunden prüfe ich in meiner Vermögensverwaltung regelmäßig neue Erkenntnisse, die meinen Investmentansatz in Frage stellen oder unterstützen. Die aktuellen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Konzentration auf niedrige Kosten, Diversifizierung und das Erzielen von Marktrenditen den meisten Anlegern die beste Chance auf ein erfolgreiches Ergebnis bietet. Sollte sich die Beweislage ändern, könnten wir einen anderen Ansatz in Betracht ziehen.

Grundsätzlich stelle ich immer wieder fest, dass sich die meisten Menschen die falschen Fragen stellen (wie z.B. die in der Überschrift).

Die Qualität der Fragen beeinflusst das Ergebnis. Gute Fragen wären: Was ist mir in meinem Leben wichtig? Was sind meine Ziele? Welche Anlagen bieten mir die größte Wahrscheinlichkeit, dass ich meine Ziele erreiche?

Eine Diskussion mit einem unabhängigen Sparringspartner kann ein enormes Maß an Klarheit bringen.

Kommen Sie gerne auf mich zu und lassen Sie uns miteinander sprechen. Ganz entspannt.

Ich bin gerne für Sie da.

Jetzt Kontakt aufnehmen.